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Equinor Energy Perspectives 2019 in Berlin - „Verzögerter Klimaschutz kommt uns teuer zu stehen“

Mehr globale Zusammenarbeit ist nötig, um Klimaziele zu erreichen. Experten sind sich einig, die Herausforderung ist nur mit einem breiten Mix an Maßnahmen zu lösen.

Die gegenwärtigen Klimaschutzmaßnahmen reichen bei Weitem nicht aus, um die weltweite Erderwärmung deutlich unter zwei Grad Celsius zu begrenzen. Eine schnelle und umfassende Trendwende ist nötiger denn je. Zu diesem Ergebnis kommt die neunte Ausgabe der Energy Perspectives Studie, die am Abend des 12.Juni 2019 von Eirik Wærness, Equinor Chefvolkswirt, in Berlin vorgestellt wurde.

Die Studie liefert einen Überblick zu drei möglichen energiewirtschaftlichen Szenarien bis 2050: Renewal, Reform und Rivalry. Im Zentrum steht dabei die Herausforderung, den zukünftigen globalen Energiebedarf nachhaltig zu decken.

 

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Vorstellung der Energy Perspectives Studie durch Eirik Wærness in Berlin.

Drei mögliche Entwicklungspfade für die Energiezukunft
Das Renewal-Szenario zeigt den Weg zum Erreichen der Klimaziele von Paris mit einer Begrenzung der Erderwärmung auf deutlich unter zwei Grad auf. Dafür sind signifikante politische Vorgaben, eine enge internationale Zusammenarbeit, technologische Entwicklungen und Änderungen im Verhalten von Wirtschaft und Konsumenten notwendig, so die Autoren. Auch der Anteil von Wind- und Solarenergie an der Stromerzeugung müsste bis 2050 auf gut 50 Prozent des globalen Strommixes ansteigen. Eine Revolution ist auch im globalen Verkehrssektor gefordert: Gut 90 Prozent aller Fahrzeuge müssten 2050 mit Elektroantrieb fahren – statt nur einem Prozent heute.

Politische Alleingänge schaden dem Klima
Im Reform-Szenario erreichen energiebezogene CO2-Emissionen um 2030 ihren Höhepunkt und sinken anschließend. Der Rückgang reicht allerdings nicht aus, die bereits beschlossenen Klimaziele zu erfüllen. Das dritte Szenario, Rivalry, beschreibt eine Zukunft, in der die Energiewende – aufgrund von geopolitischer Instabilität und ineffektiven Lösungsansätzen – nur langsam vorangeht. “Leider beobachten wir vermehrt die Schwächung internationaler klimapolitischer Kooperation. Wir sehen eine verstärkte Polarisierung der Klimadebatte, mit wachsendem Aktivismus für Veränderungen einerseits, aber auch mit Protesten gegen die sozialen Auswirkungen dieser Veränderungen. Diese Trends unterstreichen, wie politisch komplex es ist, die Klimakrise zu bewältigen“, sagt Wærness.

Energieexperten diskutieren wie Deutschlands Energiemix 2030 aussehen könnte
Im Anschluss an die Präsentation diskutierten Energieexperten, wie sich die verschiedenen Szenarios der Energy Perspectives Studie auf Deutschland auswirken könnten. Dr. Jörg Rothermel, Leiter Abteilung Energie, Klimaschutz und Rohstoffe des Verband der Chemischen Industrie e.V. (VCI) bedauert, dass die Welt derzeit eher in Richtung des Rivalry-Szenarios der Studie steuert: „Wenn wir nicht in absehbarer Zeit Klimaschutz gemeinsam umsetzen, haben wir ein großes Problem. Die chemische Industrie forscht gerade intensiv an Maßnahmen, um 2050 klimaneutral zu werden.“ Laut Podiumsteilnehmern könnten Wasserstoff-Technologien ein wichtiger Teil dieser Zukunftsmaßnahmen werden.

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Podiumsdiskussion bei den Energy Perspectives 2019 in Berlin. Von Links: Heiko Lohmann, Dr. Jörg Rothermel, Eva Hennig, Prof. Dr. Martin Neumann, Eirik Wærness.

Prof. Dr. Ing. Martin Neumann, energiepolitischer Sprecher der FDP-Bundestagsfraktion, meint dazu: "Wir brauchen vor allem einen Wettbewerb um günstige nachhaltige Energietechnologien. Die Wasserstofftechnologie ist einer dieser Hoffnungsträger. Wir sollten aber nicht alte Fehler wiederholen, sondern schnell einen Zukunftsmarkt für Wasserstoff schaffen, um diesen langfristig planbar zu machen."

Die Leiterin Energiepolitik Europa der Thüga AG Eva Hennig beobachtet in ganz Europa vielfältige Anstrengungen, um die Klimaziele zu erreichen: „Besonders Energieeffizienz ist durch die Vielzahl der Akteure ein langwieriger Prozess, der nur Momentum aufnehmen wird, wenn die Bürger davon überzeugt sind. Im letzten Jahr wurden Gesetze für Energieeffizienz verabschiedet, die uns endlich die Möglichkeit geben, mit erneuerbaren Gasen die Dekarbonisierung der Heizungen voranzutreiben. Dafür brauchen wir Biomethan und Wasserstoff. Einige Länder sind hier echte Frontrunner wie z.B. England. Deutschland war bisher führend beim Thema Power-to-Gas, diese Pole-Position wollen wir nicht nur verteidigen, sondern stark ausbauen.“

Zum Abschluss der Diskussion appelliert Waerness an die Teilnehmer: „Das Problem an der derzeitigen Klimadebatte in Deutschland: Es werden vor allem sehr viele Details diskutiert, man sucht nach der perfekten Lösung und verliert dabei Zeit. Es braucht jetzt aber Mut, schnell Maßnahmen umzusetzen, um die Klimaziele noch zu erreichen.“ Der Journalist und Erdgasexperte Heiko Lohmann führte die Teilnehmer durch den Abend.

Equinor-Präsident und -Geschäftsführer Eldar Sætre sagt zur Veröffentlichung der Studie: „Wir wollen, dass der globale Energiemix nachhaltiger wird und wir wollen diese Zukunft mitgestalten. Deswegen entwickeln wir uns zu einem breit aufgestellten Energieunternehmen, das Gas und Öl mit immer niedrigeren Emissionen fördert und gleichzeitig auf neue Energielösungen setzt.“

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Über die Energy Perspectives

Die Energy Perspectives werden seit 2011 jährlich von Equinor veröffentlicht. Sie entstehen unabhängig von den strategischen und geschäftlichen Entscheidungen des Unternehmens. Der Bericht wird von einem Team von Equinor-Analysten unter der Leitung von Chefvolkswirt Eirik Wærness von Equinor erstellt. Er bietet eine analytische Beurteilung der weltwirtschaftlichen Entwicklung und der langfristigen Perspektiven auf den internationalen Energiemärkten.

Damit will Equinor zu einem besseren Verständnis der Unsicherheiten bei langfristigen Marktanalysen beisteuern und einen Beitrag zur globalen Diskussion zur Energie- und Klimazukunft leisten. Die Studie gilt als eine von Equinor wichtigsten Referenzen in internationalen Gesprächen zu Energie- und Klimawandelfragen, die regelmäßig auf Konferenzen diskutiert wird.  

Die Energy Perspectives wurden 2018 zum achten Mal in Folge veröffentlicht. Es wurden die drei bekannten Szenarien skizziert: „Reform“, „Renewal“ und „Rivalry“. Die Entwicklung der Weltwirtschaft, internationalen Energiemärkte, Treibhausgasemissionen und des Energiemix unterscheiden sich je nach Entwicklungspfad. Die Studie zeigte wieder auf, wie Politik, neue Technologien und Marktbedingungen die Entwicklungen beeinflussen könnten, sowohl in positiver wie auch in negativer Hinsicht.

Viele Ziele, wenig Ergebnisse
Trotz der ambitionierten Ziele des Pariser Klimaabkommens waren der Kohleverbrauch und die CO2-Emissionen 2017 gestiegen. Auch die Nachfrage nach Öl und Gas war erneut gewachsen. Zwar schritt die Elektrifizierung des Mobilitätssektors voran. Sie konnte jedoch noch bei Weitem nicht mit den steigenden Absatzzahlen der Fahrzeugbranche Schritt halten. Obwohl neue Technologien schneller entwickelt wurden als erwartet, verlief die Energiewende noch immer zu langsam, nicht zuletzt aufgrund fehlender politischer Rahmenbedingungen.

Eineunbeständige Welt
Das „Rivalry“-Szenario war geprägt von geopolitischen Konflikten. Die Bekämpfung des Klimawandels hatte hier keine politische Priorität. Erstmals wurden in der 2018 veröffentlichten Studie Wirtschaftszyklen berücksichtigt, die von sich abwechselnden Phasen der Rezession und Konjunkturaufschwüngen ausgingen.

Trotz eines deutlich geringeren Wirtschaftswachstums im Vergleich zum „Reform“-Szenario würden der Energiebedarf (plus 4 Prozent) und die Treibhausgasemissionen (plus 22 Prozent) im „Rivalry“-Szenario höher sein. Volatilität und fehlende grenzüberschreitende Kooperation führten dazu, dass sich Energieeffizienz nur langsam verbesserte und Kohle weiterhin ein bedeutender Energieträger blieb.

Elektrifizierung als Schlüssellösung
In allen drei Szenarien stieg der Strombedarf. Wind- und Sonnenenergie würden dabei bis zum Jahr 2050 einen bedeutenden Anteil am Strommix einnehmen. Im „Renewal“-Szenario deckten Erneuerbare 2050 sogar 49 Prozent des Bedarfs, im Vergleich zu nur 5 Prozent im Jahr 2015.

Diese wachsende Nachfrage, ein notwendiger Kohleausstieg sowie die sinkende Nachfrage nach fossilen Brennstoffen, erforderten enorme Investitionen in neue Erzeugungskapazitäten, Ausbau der Netzinfrastruktur und neue Speichertechnologien.

Der Bedarf nach fossilen Energieträgern würde auch im Szenario mit eingehaltenem Zwei-Grad-Ziel weiterhin bestehen. Erdgas würde im Energiemix 2050 dann einen nur um 10 Prozent geringeren Anteil haben als im Jahr 2015. Der Ölbedarf hingegen würde bis 2050 um ungefähr 38 Prozent sinken.

Es würden erhebliche Investitionen in die Erschließung neuer Öl- und Gasreserven erforderlich sein. 2050 könnten die bereits erschlossenen Öl- und Gasfeldern den Bedarf nur noch zur Hälfte decken. In den anderen Szenarien mit größerem Bedarf an fossilen Energieträgern waren sogar noch höhere Investitionen nötig.

Auf dem Panel diskutieren als Gäste Prof. Dr-Ing. Peter Birkner, Geschäftsführer des House of Energy e.V., Kunal Chandra, Vice President der New Business Division von Siemens Power & Gas mit Eirik Wærness. Dr. Tanja Busse moderierte den Abend.

  • Prof. Dr-Ing. Peter Birkner
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  • Dr. Tanja Busse
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  • Kunal Chandra
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Mit den Energy Perspectives 2017 wagte Equinor einen Ausblick auf die globale Energiewelt bis zum Jahr 2050. Drei Szenarien zeigten mögliche Entwicklungspfade auf: „Reform“, „Renewal“ und „Rivalry“.

Das Szenario „Reform“ nahm die nationalen Zusagen im Rahmen des Pariser Klimaabkommens als Ausgangspunkt und zeigte Auswirkungen auf Energienachfrage, Energiemix und GHG-Emissionen.

Das optimistische „Renewal“ Szenario beschrieb einen denkbaren Weg das Zwei-Grad-Ziel zu erreichen. Dieser erforderte ein hohes Maß an internationaler Kooperation und Anstrengungen in bislang ungekanntem Ausmaß, die weiter über die Zusagen von Paris hinausgingen.

Das Szenario „Rivalry“ entwarf eine von geopolitischen Konflikten und größeren Unterschieden in der regionalen Entwicklung geprägte Welt. Dies führte zu niedrigerem Wirtschaftswachstum, einem weniger nachhaltigen Energiemix und höheren Treibhausgasemissionen.

  • Dr. Ursula Weidenfeld
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  • Dr. Brigitte Knopf
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  • Stefan Kapferer
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Auf dem Panel diskutieren als Gäste Dr. Brigitte Knopf, Generalsekretärin des Mercator Research Institute on Global Commons and Climate Change, Stefan Kapferer, Hauptgeschäftsführer des Bundesverbandes der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW) mit Eirik Wærness. Dr. Ursula Weidenfeld moderierte den Abend.

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