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„Wir wollen mit Arkona neue Maßstäbe in Sachen Umweltschutz setzen.“

Gemeinsam mit E.ON entwickelt Equinor derzeit den Windpark Arkona 35 km vor der Ostseeinsel Rügen. Im Interview spricht Michael Mollenhauer, Co-Geschäftsführer von Arkona, über die Besonderheiten des Windparks, den Stand der Arbeiten und die Zukunft der Offshore Windenergie.

1) Gerade wurde der Baustart des Offshore-Windparks Arkona gefeiert. Wird der Windpark also wie geplant 2019 ans Netz gehen?

Wir sind mit dem Baufortschritt von Arkona sehr zufrieden, nach aktuellem Stand wird der Windpark trotz herausfordernder Gegebenheiten und schwieriger Wetterverhältnisse wie geplant 2019 den Betrieb aufnehmen. Der Baugrund in der Ostsee gilt als schwierig, es besteht immer die Möglichkeit, auf Findlinge zu stoßen. Dazu kamen dieses Jahr starke Herbststürme, die die Arbeit erschwerten. Dennoch konnten alle 60 Fundamente in nur zweieinhalb Monaten im Meeresboden installiert werden. Das war insbesondere durch die dreidimensionale seismische Baugrunduntersuchung möglich, die im Vorfeld der Installation wichtige Daten über die Sedimentstruktur der einzelnen Fundament-Standorte erfasste. Das Design der Stahlfundamente wurde daraufhin individuell an die Bodenbeschaffenheit angepasst. Voraussichtlich Anfang 2018 wird die Montage der Verbindungsstücke abgeschlossen, im Frühjahr folgt die Installation der in Kooperation mit dem Netzbetreiber 50Hertz gebauten Offshore-Umspannplattform.

2) Welchen Wertschöpfungsbeitrag leistet der Windpark für die Region?

Mit einer geplanten Leistung von 385 MW wird Arkona nach Fertigstellung etwa 400.000 Haushalte mit Strom versorgen. Derzeit sind rund 400 Mitarbeiter mit dem Bau des Windparks betraut – viele von ihnen kommen aus der Region. Der Betrieb des Windparks wird von Sassnitz aus gesteuert, sodass vor Ort etwa 50 Dauerarbeitsplätze in den Bereichen Betriebsführung, Verwaltung und Instandhaltung geschaffen werden. Zusätzlich werden etwa 100 weitere Arbeitsplätze bei externen Dienstleistern entstehen.

3) Was sind die Vorteile von großen Offshore-Windparks gegenüber kleinen dezentralen Anlagen an Land?

Offshore-Windanlagen haben sowohl praktische als auch ästhetische Vorteile. Aufgrund der starken Winde auf See haben sie in der Regel eine höhere Volllaststundenzahl pro Jahr als Anlagen an Land. Sie verfügen zudem über größere Turbinen, was sie gegenüber Onshore-Windanlagen leistungsfähiger und effizienter macht.

4) Warum hat man sich gerade für die 6-MW-Turbinen von Siemens entschieden?

Grundsätzlich ist Siemens als Sieger aus einer internationalen Ausschreibung hervorgegangen. Siemens hat sich stets als verlässlicher Partner im Bereich Windparkbau erwiesen – und zwar für E.ON und Equinor gleichermaßen. E.ON hat bereits erfolgreich mit Siemens beim Projekt Amrumbank West in der Nordsee zusammengearbeitet. Dort wurden 80 Windturbinen von Siemens installiert. Equinor nutzt Siemens-Turbinen in mehreren Projekten in Großbritannien, dazu gehören die Offshore-Windparks Sheringham Shoal und Dudgeon in England, aber auch der weltweit erste schwimmende Windpark Hywind vor der schottischen Küste.

5) Was macht Arkona, um die Umwelteinwirkungen während des Baus und Betriebs des Windparks so gering wie möglich zu halten?

Wir wollen mit Arkona neue Maßstäbe in Sachen Umweltschutz setzen. Dafür haben wir beispielsweise ein neues Korrosionsschutz-Verfahren für die Stahlfundamente der Windturbinen von Arkona entwickelt, das die Umweltauswirkungen während des Betriebs deutlich vermindert. Diese Entwicklung wurde kürzlich mit dem German Renewables Award in der Kategorie „Innovation des Jahres“ ausgezeichnet. Die Eingriffe in den Meeresboden konnten durch die vorab eingesetzte seismische Baugrunduntersuchung so weit wie möglich reduziert werden, auf den sonst üblichen Einsatz von Bohrern konnten wir somit verzichten. Außerdem haben aufwendige Schallschutzmaßnahmen während den Installationsarbeiten die Lärmauswirkungen erheblich reduziert.

6) Welche Zukunft sehen Sie für die Offshore-Windenergie in Deutschland?

Hierzulande steht die Offshore-Windenergie noch relativ am Anfang ihres Entwicklungspfades. Es sind etwas über 4.000 MW installiert, weitere Offshore-Windparks befinden sich im Bau. Die Kosten sinken momentan rapide, was für einen starken Ausbau in Zukunft spricht. Damit hat die Offshore-Wind-Branche laut einer Studie des Fraunhofer Instituts bereits 18.000 Arbeitsplätze und eine bundesweite Wertschöpfung im Milliardenbereich geschaffen. Damit die Windenergie auf See ihr gesamtes Potenzial entfalten kann, sind stabile politische Rahmenbedingungen und ein entschiedeneres Vorgehen beim Netzausbau erforderlich. Deswegen befürworten wir den Cuxhavener Appell 2.0, in dem die deutschen Küstenländer, aber auch Branchenverbände und Gewerkschaften sich für bessere Rahmenbedingungen aussprechen.

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Michael Mollenhauer
Co-Geschäftsführer von Arkona

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