Schwimmende Solaranlagen - bald auch auf rauer See

Als Offshore-Wind-Major hat Equinor bereits Erfahrung mit schwimmenden Windparks. Jetzt will das Unternehmen die Potenziale des Offshore-Solarstroms erkunden und bereits in diesem Jahr mit den ersten Tests vor der norwegischen Insel Frøya beginnen.

"Wenn wir hier Erfolg haben, schaffen wir es überall ", sagt Hanne Wigum, die bei Equinor die Technologieeinheit mit Schwerpunkt auf Wind- und Solarenergie leitet.

Im Spätsommer 2021 soll dafür eine Pilotanlage vor der Insel Frøya nahe der Stadt Trondheim entstehen. Es wäre die weltweit erste Anlage für schwimmende Solarenergie auf rauer See. Der Testbetrieb ist zunächst für mindestens ein Jahr geplant. Die Anlage der Maße 80x80 Meter wird weniger als 3 Meter über die Meeresoberfläche ragen. Das Projekt ist eine Zusammenarbeit von Equinor und dem Technologieunternehmen Moss Maritime.

So könnte die Pilotanlage aussehen. (Illustration: Moss Maritime)

Stresstest auf dem Nordmeer

Sinn und Zweck der Pilotanlage besteht nicht primär im Test ihrer Effizienz. Der Pilot soll vielmehr herausfinden, inwiefern die schwimmende Anlage den widrigen Wetterbedingungen standhält. Die norwegische Küste und das Kontinentalschelf sind für ihre ausgezeichneten Bedingungen in der Gas- und Ölförderung und auch für die Windkraft bekannt – weniger für ihre Sonnenstunden. Gerade deswegen ist Frøya als Testgebiet dennoch sehr gut geeignet.

"Die Gemeinde Frøya ist für uns ein guter Kooperationspartner. Wir haben eine Vereinbarung mit dem Netzbetreiber getroffen, die es uns erlaubt, den erzeugten Strom in das lokale Stromnetz einzuspeisen. Darüber hinaus sind die Nähe zu unserem Forschungszentrum in Trondheim und das Know-how der Forschungseinrichtungen Sintef und NTNU für uns von Vorteil", sagt Wigum.

"Es ist sehr spannend, dass Frøya als Gemeinde für die Erprobung neuer erneuerbarer Energiequellen wie Solarenergie ausgewählt wurde. Mit unseren natürlichen Bedingungen sind wir ein guter Standort für eine Pilotanlage", sagt Frøyas Bürgermeisterin Kristin Furunes. Für Moss Maritime ist die Pilotanlage ein wichtiger Meilenstein: "Wir arbeiten seit drei Jahren an diesem Konzept. Es ist sowohl technisch als auch wirtschaftlich ausgereift. Die schwimmende Pilotanlage wird ein wichtiger Schritt auf dem Weg zur Kommerzialisierung der Technologie sowie für die Weiterentwicklung und Optimierung des Konzepts sein", sagt Alexander Thérgersen, Vizepräsident im Bereich Engineering bei Moss Maritime.

Hanne Wigum leitet Equinors Technologieeinheit mit Schwerpunkt auf Wind- und Solarenergie.

Schnelle Entwicklung

Die Anlage vor Frøya ist das dritte Forschungsprojekt dieser Art an dem Equinor beteiligt ist. Mit einem weiteren Projekt vor der Küste Sri Lankas testet Equinor ein ähnliches Konzept in ruhigen Gewässern, um zu lernen, wie viel Energie die Anlagen produzieren können.

In den Niederlanden hingegen testet Equinor drei verschiedene schwimmende Solarenergiekonzepte auf einem See, um auch hier wichtige Erkenntnisse über die Belastbarkeit und Vorhersehbarkeit der Produktion unter schwierigeren Bedingungen zu gewinnen.

"Aufgrund des rasanten Wachstums der erneuerbaren Energien führen wir mehrere Forschungsprojekte parallel durch. So können wir unser Wissen schon sehr früh verbessern", so Wigum.

Equinor hat noch keine über diese Forschungsprojekte hinausgehende Entscheidung über die Stromproduktion aus schwimmenden PV-Anlagen getroffen.